Yellowknife River

Zu den besonders interessanten Provinzen gehören mit Sicherheit die North-West-Territories und Nunavut(Unser Land).Diese ehemals größte Provinz Canadas wurde vor einigen Jahren neu aufgeteilt.Die Inuit erhielten ihr angestammtes Gebiet mit allen autonomen Rechten zurück.Dieses Gebiet macht gut die Hälfte der North-West-Territories aus.Es gibt nahezu 40 Flüsse in diesem Gebiet.Vom riesigen Strom wie dem Mackenzie über ruhige Flüsse in der Einsamkeit der Tundra bis hin zu schweren Wildwasserflüssen wird hier jedem etwas geboten.Diese Exclusivität,der Genuß der nahezu unberührten noch intakten Umwelt hat ,im wahrsten Sinne des Wortes,seinen Preis.Da nur zwei Highways existieren,der eine ist der Dempster bis Inuvik,der andere der Mackenzie bis Yellowknife,muß eigentlich alles per Flugzeug geplant und durchgeführt werden.Da ich zeitmäßig limitiert war mußte es ein Fluß sein,bei dem nicht zuviel Zeit mit Ein+Ausfliegen verloren geht.Da fiel die Wahl nicht schwer.Der Yellowknife River hat den Vorteil das nur ein Einfliegen erforderlich ist.Das Ende der Fahrt liegt in der Stadt Yellowknife,die mit ca.16000 Einwohnern zugleich Hauptstadt der NWT ist.Dennoch ist diese Fahrt durch die Barrenlands total einsam.Die Gesamtstrecke ist ca.260 km vom Greenstocking Lake bis zur Stadt.Wir haben uns am Upper Carp Lake absetzen lassen.Was sich etwas wenig anhört wird aber durch die Tatsache relativiert,das dieser Fluß zum Teil schweres Wildwasser zu bieten hat.Mehrere lange Portagen über Stock und Stein nehmen sehr viel Zeit in Anspruch.Außerdem müssen alle Stromschnellen sorgfältig erkundet werden.Diese Erkundigungen kosten ebenfalls viel Zeit.Um es vorwegzunehmen bei dieser Fahrt ist ein Neoprenanzug mir Schuhen unbedingt anzuraten.Das Wasser ist kalt und je nach Wasserstand sind lange Treidelstellen zu meistern.Der Wasserstand schwankt natürlich auch zum Teil sehr stark und kann aus den fahrbaren Stellen absolut unfahrbares Wildwasser machen.Um ein Verletzungsrisiko zu minimieren haben wir auch unsere Helme mitgenommen,da eine Kenterung nie 100% auszuschließen ist.Das Wetter ist natürlich wechselhaft.Über die flache nur von Hügeln überragte Landschaft fegen zum Teil kräftige Winde,die ein Befahren der Seen erheblich erschweren.Auch im Juli und August sind leichte Minustemperaturen möglich.Hierdurch ist das Schauspiel des Polarlichtes fast jeden Abend zu beobachten.Dies ist keine Tour für reine Anfänger.Gutes Beurteilen der Stromschnellen,Wetter und gute körperliche Konstitution ist notwendig.

1.Tag Flug Yellowknife - Upper Carp Lake

Der Flieger der Air Tindi brachte uns in knapp zwei Stunden zu unserem Input am UCL.Nachdem er uns abgesetzt hatte und wieder abgeflogen war herrschte totale Ruhe am See.Wir mußten uns erst einmal daran gewöhnen.Die einzigen Geräusche waren das leichte Plätschern des Sees und das Sirren der Moskitos,die nicht lange auf sich warten ließen. Der Platz war hier nicht zum Zelten geeignet und daher sind wir einige KM bis zu einer Halbinsel gefahren.Während der Fahrt brachte die ausgeworfene Angel gleich eine wunderschöne Seeforelle,die uns abends hervorragend geschmeckt hat.Ein gelungener Start.Zumal auch das Wetter sich von seiner schönen Seite zeigte.

2.Tag Upper Carp Lake -Lower Carp Lake ca.21 km

Der erste Tag wurde genutzt um einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.Außer einigen Malen in Deutschland sind mein Neffe Marvin und ich kaum miteinander gefahren.Aber er ist ein guter Wildwasserfahrer und so passte es sehr gut.Die Seen sind unübersichtlich und daher sind Karten 1:50 000 zu empfehlen.Auch vor dem direkten Überqueren der Seen wird abgeraten.Verständlich wenn man bedenkt, wie schnell Stürme aufkommen und sich hohe Wellen bilden,die ein Befahren gefährlich machen.Kurz vor Erreichen der Second Carp Portage sind wir in die Neoprenanzüge geschlüpft.Wir hatten uns entschlossen soviel wie möglich der vielen Stromschnellen zu befahren und haben daher nur einige wenige der angegebenen Portagen benutzt.Bereits bei dieser ersten Stelle war es nicht einfach und der untere Teil der Schnelle erwies sich als nicht fahrbar.Aber dank der Neos ließ sich gut treideln und so wars kein Problem.Nach Erreichen des Lower Carp Lakes haben wir auf einer Halbinsel die zweite Nacht verbracht.Hier hatten wir auch unseren ersten Zaungast.Ein kleiner Schwarzbär interessierte sich für den Inhalt unserer Pfanne.Aber die Angst war doch größer als der Anreiz unseres Abendessens.

3.Tag Lower Carp Lake ca.11 km

Da wir einen sehr schönen Zeltplatz auf einer Insel fanden,felsig ohne Mücken,war schon nach 11 km Schluß und wir haben einen gemütlichen Tag verbracht.

4.Tag Lower Carp Lake - Zeltplatz am Fluß ca.20 km

Gut ausgeruht starteten wir am nächsten Morgen.Bis zur First Carp Portage wars nicht weit und so sind wir gleich in die Neos.Es besteht die Möglichkeit den gesamten nun folgenden Wildwasserteil zu umgehen.Dies erfolgt über die sogenannten Nine-Lakes.Praktisch parallel zum Fluß sind mehrere Seen die durch Creeks zum Teil verbunden sind.Aber auch hier wird portagiert werden müssen.Wahrscheinlich werden viele Stellen zugewuchert sein.Wir wählten den Fluß.Ab jetzt mussten häufig Schnellen erkundet werden.Meist ist nur einer von uns zum Schauen gegangen.Da wir uns aufeinander verlassen können,spielte es keine Rolle wer die Route festlegt.Neben flotten Stücken im Bereich WW 2-3 etwa gab es auch diverse Fälle und Stufen die wir nicht befahren haben.Leider hatten wir keine Spritzdecke und daher konnten wir einige schöne Stellen nicht fahren.Das Boot mußte häufig ausgeleert werden.Auch hier bewährten sich die Neos wieder.Wir haben meist abwechselnd einer das Canu getreidelt und der andere hat mit dem Seil gesichert.Nicht nur gegen die Kälte

 schützten uns die Anzüge.Da die Steine zm Teil mit Algen bewachsen sind und entsprechend glatt sind wir einigemale ausgerutscht.Die Anzüge haben jede Berührung mit den oft scharfkantigen Felsen gut abgefangen und keiner hat sich irgendwelche Blessuren geholt.Mehrfach bemerkten wir auf den Steinen grüne Farbe.Ein Beweis dafür das auch andere Personen diese Route wählen.Zum Nachmittag bewölkte es sich und wir haben den nächstbesten Platz fürs Zelt genutzt.Leider gabs keine große Auswahl.Hier zahlte es sich wieder aus mit einem relativ kleinen Zelt zu reisen.Man findet zwischen den Felsen einfach kaum größere Plätze.Unter dem Tarp saßen wir dann trocken und sicher.Nach der Anstrengung war frühzeitige Nachtruhe angesagt.Bis auf das Summen der Moskitos wars auch schön ruhig.               

5.Tag ZaF - 1 ter See ca.14 km

Auch der heutige Tag war von Treideln und Portagen gekennzeichnet.Aber auch herrlicher Wildwassergenuß.Apropos Wasser.Das Wasser des Yellowknife ist ohne Bedenken trinkbar und da wir in unseren Neos bei dem schönen Wetter tüchtig geschwitzt haben wars es schon praktisch einfach das Wasser so zu schöpfen.Wir haben dann auf der ersten Insel nachdem der Fluß sich wieder zu einem See verbreiterte gezeltet.Irgendwie war ich ziemlich fertig und habe daher Marvin die meiste Arbeit überlassen.Ein Versuch mit der Angel brachte einen schönen Hecht.

                          

6.Tag See - Fishing Lake ca 18 km

Auch die heutige Etappe brachte wieder Treideln,Portagieren und Wildwassergenuß im Wechsel.Die letzten zwei Schnellen kurz vorm Fishing Lake waren schwer und anstrengend.Mitten auf dem Pfad der als Portage genutzt wird lag ein noch warmer Bärenhaufen der nahezu aus Blaubeeren bestand.Da die Stromschnellen sehr laut waren haben wir die Portage mit entsprechender Vorsicht gemacht.Denn ein Bär hätte uns wahrscheinlich nicht gehört und eine direkte Begegnung wollten wir vermeiden.Daher waren wir froh als wir wieder im Boot saßen.Nach den Tagen der Ruhe ohne jeden Menschen waren wir nicht wenig überrascht gleich in der ersten Bucht 10 Canadier zu treffen.Nach einem kalten Bier Marke Kokanee erwachten unsere Lebensgeister gleich wieder.Die Männer hatten sich zum Fischen für ein paar Tage einfliegen lassen.Die Einladung zum Abendessen haben wir natürlich angenommen.Es war schon ein Unterschied von unserem Tütenfutter zu frischen Tomaten,Obst diversen Burgerarten und,und,und...!Nach diesen kulinarischen Genüssen und etlichen Bierchen haben wir ganz ausgezeichnet geschlafen.

                   

7.Tag Fishing Lake - Rocky Lake ca.31 km

Dieser Tag wurde einer der anstrengensten der ganzen Reise.Nach Verabschiedung von den Fischern haben wir nach Befahren des langgestreckten Fishing die erste Schnelle auf dem Weg zum Rocky erreicht.Nun wechselten sich Portagen und Fahren in kurzen Abständen ab bis wir die letzte Stromschnelle erreichten.Hier war eine Portage von ca.2,5 Km zu bewältigen.Es gibt keinerlei erkennbaren Pfad den man nutzen könnte.Diese Plackerei über Stock und Stein nahm mehrere Stunden in Anspruch.Aber um so größer war die Befriedigung nachdem wirs hinter uns hatten. Wir sind auf dem Rocky noch ca.5 km bis zu einer Insel gefahren die wir auf der Karte vorgemerkt hatten.Unser Erstaunen war groß.Denn auch hier trafen wir auf Personen.Keine Fischer,sondern ein Geologenteam von 2 Frauen und zwei Männern.Im Gespräch stellet sich heraus das sie seit 2 Monaten hier fest in zwei großen Zelten lebten und am nächsten Tag abgeholt würden.Nicht nur das es schon wieder ein kaltes Bier gab,

 nein uns wurden auch noch diverse Lebensmittel überlassen.So haben wir beschlossen nach den Anstrengungen der letzten Tage hier einen Ruhetag einzulegen.Abends konnten wir für mehrere Stunden das Polarlicht beobachten.

8.Tag Rocky Lake

Ein Tag mit Ausschlafen,Baden,Sonneliegen,Fischen und Essen,Essen,Essen. Das Beste war ,das es nicht eine Mücke auf dieser felsigen Insel gab.

 

9.Tag Rocky Lake - Quyta Lake ca.34 km

Nach diesem faulen Tag fiel es uns schwer wieder zu starten.Die heutige Etappe bestand zum größten Teil aus Seenfahrt unterbrochen durch einige Stromschnellen und einen Wasserfall kurz vorm Sito Lake der auch eine anstrengende Portage verlangte.Auch die Schnellen kurz vorm Quyta Lake mußten teils getreidelt werden.Nach dieser Tortur fanden wir gleich zu Beginn des Sees eine Insel mit nur minimalem Bewuchs und einer kleinen Vertiefung zwischen den wenigen Bäumchen.Hier fand unserZelt einen prima Platz.Mit herrlichem Sonnenschein und dem obligatorischen Hecht ging der Tag zu Ende.

10.Tag Quyta Lake - Yellowknife ca.47 km

Nur wenige Minuten nach dem Start sahen wir vor uns im Wasser einen Schwarzbären der hier den See überquerte.Als er uns bemerkte hat er ordentlich Gas gegeben und ist nach dem Erreichen des Ufers im Galopp verschwunden. Etwa 5 km nach dem Quyta Lake hat man einen Damm gebaut der elektrischen Strom liefert.Hierdurch entstand der Bluefish Lake.Eine gute Schotterstraße ist als Portage gut zu nutzen.Wir hatten mal wieder Glück.Der Angestellte der Firma,der dort ganzjährig die Anlage beaufsichtigt gab uns seinen Pick-Up und so war die Aktion in einer halben Stunde erledigt.Ab hier sind ständig irgendwelche Boote und Menschen anzutreffen denn bis hierher fahren viele Einwohner von Yellowknife zum Fischen.Kaum waren wir aus der schützenden Bucht auf den Prosperous Lake hatten wir starken Wind von vorn und es wurde ein hartes Stück Arbeit bis wir die Tartan Rapids,das letzte Stück Wildwasser erreichten.

Man kann umtragen aber das Befahren war bei diesem relativ niedrigen Wasserstand kein Problem.Da wir noch gut bei Kräften waren und das Wetter bedenklich schlechter wurde fassten wir den Entschluß in einem Rutsch nach Yellowknife durchzufahren.Eine weise Entscheidung.Denn bereits am nächsten Morgen fing es an zu schütten und hörte bis auf einige Stunden bis zu unserem Abflug auch nicht mehr auf.Wir erreichten die Stadt am frühen Abend.Nach dem Transfer zu unserer Unterkunft war erst mal Dauerduschen angesagt.Dann abends ab in die Stadt.Hier lernten wir im Hard Rock Cafe einen vor 40 Jahren ausgewanderten Deutschen kennen.Der hat uns dann zu Checker ´s geschleppt.Der einzige Nightclub hier.Der andere war einige Wochen vorher abgebrannt. Nach zwei weiteren Tagen in denen wir die Stadt erkundet haben gings zurück nach Deutschland.Die Fliegerei nach Yellowknife ist leider zeitaufwendig.Es ist mehrfaches Umsteigen erforderlich.Hotels sind preislich an der Obergrenze.Wir hatten bei privat B&B bereits in Deutschland reserviert und hatten mit unseren Wirtsleuten Glück.Alles tiptop,reichhaltiges Frühstück und jede Hilfe die man braucht.Als Resumee eine gelungene Tour,die einem körperlich viel abverlangt.Aber landschaftlich sehr schön.Trinkbares Wasser,nicht zu kalt,sehr gutes Fischen.Polarlicht. Tierbeobachtungen wenig,Mücken absolut erträglich.Empfehlenswert.

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